20/03/2020

Artikel in der Lebensmittel Zeitung: „Deutsche Kalbfleisch-Branche startet Vermarktungsoffensive“

Die deutschen Kälbermäster und Kalbfleischvermarkter werben verstärkt für ihre heimische Erzeugung. Es geht darum, die deutsche Ware besser zu positionieren und den Konkurrenz aus Holland Marktanteile abzunehmen.

Zwei Jahre lang hat die Kontrollgemeinschaft Deutsches Kalbfleisch (KDK) bei ihren Mitgliedern Geld für eine Imagekampagne eingesammelt. Kürzlich ist die großangelegte Vermarktungsoffensive „Besser von hier!“ gestartet. Sie soll in erster Linie die Einkäufer im LEH von den Vorzügen des deutschen Kalbfleischs vor allem gegenüber der meist billigeren holländischen Konkurrenz überzeugen. „Wir wollen den Blick unserer Marktpartner auf deutsches Kalbfleisch schärfen“, sagt der Vorsitzende des Bundesverbandes der Kälbermäster (BDK), Michael Beneke. Kalbfleisch erfreue sich als Premiumprodukt zunehmender Nachfrage. Das läge auch an der stärkeren Präsenz im LEH. Dennoch sieht der Verband für deutsches Kalbfleisch noch erhebliches Potenzial.

Derzeit vermarkten die mit KDKZertifikat ausgezeichneten Schlacht und Zerlegebetriebe Bahlmann, Brüninghoff und Westfleisch etwa 280 000 Kälber pro Jahr. Die Tiere stammen ausschließlich aus deutschen Milchviehbetrieben und werden in 341 Ställen gemästet. Insgesamt wurden im vergangenen Jahr in Deutschland 322 000 Kälber geschlachtet und 47 818 t Kalbfleisch gewonnen – kaum eine Veränderung gegenüber dem Vorjahr. Der KDK-Anteil an der deutschen Kalbfleischverarbeitung beträgt etwa 85 Prozent. 2010 waren es erst 73 Prozent. Die anderen Kälber werden meist von Metzgern in Süddeutschland geschlachtet und vermarktet. „Wir haben im Inland einen Marktanteil von knapp 50 Prozent, die andere Hälfte liefern niederländische Kalbfleischerzeuger. Punkten können wir mit Argumenten wie Herkunft der Kälber, kurzen Transportwegen, Tierwohlaspekten, Produktqualität und Sicherheit“, so der KDK-Vorsitzende Markus Dammann. „All das kombinieren wir zudem mit konkurrenzfähigen Preisen“, betont Tobias Brüninghoff.

Differenzierung: KDK-Kälber werden in Deutschland geboren, aufgezogen, gemästet, geschlachtet und zerlegt.

Auch in anderen Bereichen verweist die KDK auf einen aus ihrer Sicht höheren Standard der deutschen Haltungsbedingungen im Vergleich zu den Niederlanden. Mit der Gründung der Kontrollgemeinschaft vor über 20 Jahren habe sich die Kälbermast in Deutschland neu aufgestellt. Sie sei von Beginn an Teilnehmer des QS-Systems mit einem umfangreichen Kontrollprogramm. KDK-Kälber werden in Deutschland geboren, aufgezogen, gemästet, geschlachtet und zerlegt. „Damit schaffen wir die Grundlage für eine lückenlose Rückverfolgbarkeit“, sagt Bernhard Schlindwein, Geschäftsführer der KDK.

Die Betriebe verzichten freiwillig auf die Fütterung von Tierfett und sind eine Selbstverpflichtung eingegangen, die für alle Neu- und Umbauten in Kälberställen den Einbau von Gummimatten als weiche Unterlage vorschreibt. Schließlich wollen die deutschen Kälbermäster weitere Fortschritte bei der Reduzierung des Einsatzes von Antibiotika machen. Sorgen bereitet ihnen, wie praktisch allen tierhaltenden Betrieben, die geplante Verschärfung der Düngeverordnung.

Den Einkäufern des LEH wie den Konsumenten soll mit der laufenden Kampagne vermittelt werden: „Wenn Kalb, dann deutsches Kalb von der KDK“. Dafür setzt der Verband auf sichtbare Imagewerbung, eine neue Website und Youtube-Filme. Die Vermarkter erwarten mittelfristig hierzulande einen auf hohem Niveau stabilen Konsum von Kalbfleisch. Wachstumschancen sehen sie in neuen Angeboten, etwa für die Grillsaison.

Heribert Qualbrink, Leiter Einkauf Landwirtschaft bei Westfleisch, möchte zudem langfristig die Anforderungen verschärfen. Zwar bestehe bei Kalb kein akuter Handlungszwang, Ziel müsse aber sein, von der Haltungsform 1 auf 2 zu kommen. Außerdem müsse eine dauerhafte Listung von Kalbfleisch im LEH erreicht werden, um die hohe Saisonund Aktionsabhängigkeit zu beenden. Auch Qualbrinks Kollege Max Werner Kriesten, Leiter des Westfleisch-Standortes Hamm, wünscht sich vom deutschen LEH ein Bekenntnis zu deutscher Ware. Bisher ist dies nur bei Rasting der Fall: Das Fleischwerk der Edeka Rhein-Ruhr hat 2020 zum „Jahr der Theke“ ausgerufen und wird dort verstärkt deutsches Kalbfleisch anbieten.

@ 2020 Kontrollgemeinschaft Deutsches Kalbfleisch e.V.

Webdesign terres'agentur